Recaro

Fliegende Sitze aus Schwäbisch Hall

Recaro-Chef Mark Hiller
Andreas W. Schulz
Recaro-Chef Mark Hiller

Kaum eine Airline kommt ohne sie aus: Beim Luftfahrt-Presse Club in Hamburg war jetzt Recaro-Chef und Mitgesellschafter von Recaro Aircraft Seating Mark Hiller zu Gast.

Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen hätte am liebsten das alte Gebäude auf seinem Werksgelände schon abgerissen. Aber es steht unter Denkmalsschutz und gehörte zum damaligen Stuttgarter Karosseriewerk Reutter & Co.

Schon 1906 erfolgte die Firmengründung des Karosseriebauers, der sich schnell einen Namen machte und Karosserien für alle namhaften Automobilhersteller anfertigte. Auch der legendäre Porsche 356 wurde hier gefertigt und die Fabrik 1963 an Porsche verkauft. Das war auch die Geburtsstunde des sich bis heute in Familienbesitz befindlichen Unternehmens „Recaro“, zusammengesetzt aus Reutter Karosserie, das sich auf Fahrzeugsitze spezialisierte.

Schnell entwickelte sich daraus eine Marke von Weltruf. 1971 wurden die Recaro Flugzeugsitze gegründet. Heute zählt das Unternehmen mit zu den Weltmarktführern und ist im Ranking auf Platz 3 zu finden. „Es hilft manchmal schon bei Gesprächen mit Kunden, wenn man auf eine weltweit bekannte Marke verweisen kann, die so mancher Airline Boss privat von seinen sportlichen Autositzen her kennt“, sagt schmunzelnd Recaro-Chef Mark Hiller.

Der Markt für Flugzeugsite ist anspruchsvoll und wettbewerbsintensiv. Die führenden internationalen Mischkonzerne Zodiac und Collins Aerospace sind um ein vielfaches größer als das mittelständische Unternehmen Recaro aus dem beschaulichen Schwäbisch Hall, aber sie können nicht auf die Werte einer gewachsenen Traditionsmarke verweisen. Recaro hat es geschafft, sich zum führenden Hersteller von Economy-Sitzen zu positionieren.

Fast die gesamte Easyjet-Flotte ausgerüstet

„Nahezu die gesamte Easyjet-Flotte ist mit unseren Sitzen ausgestattet“, nennt Hiller als Beispiel. Es gibt kaum eine Airline, egal ob Premium oder Billig, die nicht mit Recaro-Sitzen ausgestattet ist. Bei den Flugzeugen von Boeing und Airbus, mit „Single Aisle“ also nur einem Mittelgang, hält das Unternehmen einen Economy-Sitz Marktanteil von rund 30 Prozent.

Seit rund drei Jahren ist Recaro auch dabei, den wichtigen und prestigeträchtigen Markt für Business-Class Sitze zu erobern. Effizienz, gepaart mit Komfort, ist das, was die Fluggesellschaft für ihre Fluggäste, speziell für ihre wichtigen Premium-Passagiere fordern. Es geht hier nicht nur um ein optimales Design sondern um Gewichtseinsparung und Nachhaltigkeit der hochwertigen Materialien.

Business-Sitz kostet soviel wie ein Pkw

„So ein Business-Sitz liegt bei rund 80 Kilo und dem Preis eines Oberklasse-Pkw“, erläutert der Recaro-Chef. Daher ist es wichtig, hier eng mit den Airlines zusammenzuarbeiten und wertvolle Informationen von Passagierbefragungen in die Entwicklung mit einfließen zu lassen. „Wenn eine Fluggesellschaft eine Flotte mit neuen Sitzen etwa modernisiert, werden wir mit unseren Produktionskapazitäten voll gefordert. Hier können schnell mehrere Zehntausend Sitze in einem engen Zeitrahmen zur Lieferung anstehen. Da hilft es uns, wenn wir aus unseren internationalen Produktionsstandorten in Polen, den USA und China liefern können“ sagt Hiller.

Speziell die Modernisierung der Kabinensitze ist für die Airlines eine große Herausforderung. Je nach Flottengröße geht es nicht von heute auf morgen und zieht sich manchmal über einige Jahre hin. Gerade für Geschäftsreisende  bedeutet das, dass sie einmal schon in einer modernisierten Kabine den neuen Komfort genießen können, beim nächsten Mal aber vielleicht wieder mit dem „alten Mobiliar“ noch Vorlieb nehmen müssen.

Trend zu mehr Individualität

Hiller sieht gerade im Geschäftssegment Business Class den Trend zu mehr Individualität. „Raum, Licht und Temperatur sind drei Kriterien des individuellen Kabinenerlebnisses. Eine möglichst private Gestaltung erhöht das Reiseerlebnis“, berichtet Hiller. Auch geht unverändert der Trend zu einer 1-2-1 Sitzplatzkonfiguration. „Wer will schon mitten in der Nacht umständlich über seinen Sitznachbarn steigen“, fragt Hiller.

Er  sieht mit der wachsenden Individualität des Premium-Angebots neue Vermarktungsperspektiven für die Fluggesellschaften: „Wenn ich in der Business-Class verschiedene Angebote auch an Sitzplätzen habe, kann ich sie den Kundenprofilen entsprechend bepreisen“, hebt der Recaro Chef hervor. Die neue Welt der NDC (New Distribution Capability) lässt grüßen.
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